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legende-abendland-broschSams­tag, 21. Novem­ber 2015 · 19:30 Uhr

Vortrag von Dr. Rolf Bergmeier

Deutsch-Ame­ri­ka­ni­sches Insti­tut (DAI)
Sofi­en­stra­ße 12 · 69115 Hei­del­berg

Nach „Kai­ser Kon­stan­tin und die wil­den Jah­re des Chris­ten­tums“ (2010) und „Schat­ten über Euro­pa – Der Unter­gang der anti­ken Kul­tur“ (2012) hat Rolf Berg­mei­er sei­ne Tri­lo­gie zur Ent­wick­lung der west­li­chen Kul­tur mit einem gran­dio­sen Fina­le abge­schlos­sen: In „Christ­lich-abend­län­di­sche Kul­tur – Eine Legen­de“ zeigt er auf, dass die soge­nann­ten „euro­päi­schen Wer­te“ eher auf den ara­bisch-isla­mi­schen als den christ­li­chen Kul­tur­kreis zurück­zu­füh­ren sind.

Berg­mei­ers Ana­ly­se belegt, dass das Mit­tel­al­ter über Jahr­hun­der­te hin­weg nur nörd­lich der Pyre­nä­en, im Ein­fluss­be­reich der christ­li­chen Kir­chen, „fins­ter“ war, wäh­rend im Osma­ni­schen Reich Wis­sen­schaft, Kul­tur und Han­del blüh­ten. Sel­ten zuvor wur­de die Rede vom „christ­li­chen Abend­land“ mit solch kla­ren Argu­men­ten ad absur­dum geführt.

Ein­tritt: 8 EUR (6 EUR ermä­ßig­ter Ein­tritt für Mit­glie­der von gbs, HVD, GWUP)

Detail­lier­ter Bericht des Vor­trags in Frei­burg: http://www.humanisten-freiburg.de/christliche-leitkultur


Über Dr. Rolf Berg­mei­er

Rolf Berg­mei­er, gebo­ren 1940 in Ober­hau­sen (NRW), war Oberst im Gene­ral­stab und im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um sowie in der NATO Brüs­sel tätig. 1989 reich­te er sein Abschieds­ge­such ein und arbei­te­te anschlie­ßend als Sys­tem­ana­ly­ti­ker in der Indus­trie. Es folg­te ein Stu­di­um der Alten Geschich­te und Phi­lo­so­phie an der Guten­berg-Uni­ver­si­tät Mainz, das er mit dem Magis­ter abschloss. Heu­te ist Rolf Berg­mei­er schrift­stel­le­risch tätig und Autor diver­ser Publi­ka­tio­nen, die sich mit der Schnitt­stel­le „Alte Geschich­te, frü­hes Mit­tel­al­ter und Kir­chen­ge­schich­te“ beschäf­ti­gen.

In sei­nen Büchern zeich­net er die Ent­wick­lung des Chris­ten­tums anhand his­to­ri­scher Fak­ten nach und belegt, dass die Macht­zu­nah­me reli­giö­ser Kräf­te in der Zeit der Spät­an­ti­ke mit einem zivi­li­sa­to­ri­schen Rück­schritt ver­bun­den war, von dem sich Euro­pa erst in der Zeit der Renais­sance, mit der Wie­der­be­le­bung der anti­ken Kul­tur, erho­len konn­te.

Buch­ver­öf­fent­li­chun­gen (sie­he auch im Fol­gen­den)

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Vide­os

Auf­zeich­nung der gbs-Hoch­schul­grup­pe Jena (6 Tei­le):

Der Auf­stieg des Chris­ten­tums, Vor­trag von Dr. Berg­mei­er

Christ­li­che Wer­te? Nein dan­ke!“ · 2-tei­li­ge Radio­sen­dung der gbs-Regio­nal­grup­pe Stutt­gart im Frei­en Radio


Buch­ver­öf­fent­li­chun­gen von Dr. Rolf Berg­mei­er

Kai­ser Kon­stan­tin und die wil­den Jah­re des Chris­ten­tums

Die Legen­de vom ers­ten christ­li­chen Kai­ser, 2010

Kai­ser Kon­stan­tin wird als der ers­te christ­li­che römi­sche Kai­ser gehan­delt, gewis­ser­ma­ßen der Begrün­der des christ­li­chen Abend­lan­des. Den Wen­de­punkt der euro­päi­schen Geschich­te mar­kiert dabei schein­bar die Nacht vor der Schlacht an der Mil­vi­schen Brü­cke (312), als Kon­stan­tin die Visi­on eines sie­ges­ver­kün­den­den Kreu­zes gehabt haben soll. Alles Legen­de, meint der Alt­his­to­ri­ker Rolf Berg­mei­er.

Er macht deut­lich, dass Kon­stan­tins Ziel die Allein­herr­schaft im Römi­schen Reich und sei­ne Reli­gi­ons­po­li­tik dar­auf aus­ge­rich­tet war. Die För­de­rung des Chris­ten­tums erscheint dann als stra­te­gi­scher Schach­zug, eine rele­van­te Min­der­heit ein­zu­bin­den, darf ange­sichts der zahl­rei­chen Zeug­nis­se, die Kon­stan­tin als son­nen­gött­li­chen Herr­scher zei­gen, aber nicht als Par­tei­nah­me aus reli­giö­ser Über­zeu­gung miss­ver­stan­den wer­den. Sei­ne Kri­tik des her­kömm­li­chen Bil­des von Kon­stan­tin als christ­li­chem Kai­ser unter­mau­ert Berg­mei­er mit Erkennt­nis­sen aus der Sym­bol­for­schung, durch Mün­zen und Bau­ten sowie einen Blick auf das real exis­tie­ren­de Chris­ten­tum. Denn im frü­hen 4. Jahr­hun­dert stell­te sich die Chris­ten­heit als ein Hau­fen sich gegen­sei­tig beschimp­fen­der Frak­tio­nen dar und stieß vor allem in den gebil­de­ten Schich­ten Roms auf Ableh­nung – nicht unbe­dingt die gesell­schaft­li­che Grö­ße, auf die sich ein Impe­ra­tor stüt­zen kann.

Die deutsch­spra­chi­ge Alter­tums­for­schung ist aller­dings in einem sol­chen Maße von christ­li­chen Auto­rin­nen und Auto­ren geprägt, dass die offen­sicht­li­chen Befun­de der Hilfs­wis­sen­schaf­ten und des logi­schen Den­kens häu­fig über­gan­gen wer­den. Anstatt die Berich­te zeit­ge­nös­si­scher Kir­chen­män­ner quel­len­kri­tisch zu betrach­ten, erör­tert die Zunft, ob Kon­stan­tin die Kreu­zes­vi­si­on nur im Traum hat­te oder das Wol­ken­ge­bil­de tat­säch­lich am Him­mel erblickt hat. Berg­mei­er führt sei­nen Kol­le­gen ihre blin­den Fle­cke vor Augen und zeigt, dass sich das Chris­ten­tum nicht durch die Hin­wen­dung des Kai­sers Kon­stan­tin zu dem neu­en Glau­ben durch­ge­setzt hat, son­dern durch die bru­ta­le Poli­tik eines sei­ner Nach­fol­ger.

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Schat­ten über Euro­pa

Der Unter­gang der anti­ken Kul­tur, 2012

War­um geht mit dem römi­schen Reich in West­eu­ro­pa auch die anti­ke Kul­tur unter? War­um ver­schwin­den Bäder und Biblio­the­ken, war­um kann im Mit­tel­al­ter fast nie­mand mehr lesen, war­um schrump­fen bedeu­ten­de Städ­te auf die Grö­ße von Pro­vinz­nes­tern? Rolf Berg­mei­er weist in sei­ner Stu­die nach, dass es die Ger­ma­nen nicht gewe­sen sind und dass die zivi­li­sa­to­ri­schen Leis­tun­gen des 4. Jahr­hun­derts auch kei­ne Anzei­chen von „spät­rö­mi­scher Deka­denz“ erken­nen las­sen. Viel wahr­schein­li­cher erscheint es ihm, dass Jen­seits­ori­en­tie­rung und Bil­dungs­feind­lich­keit des Chris­ten­tums eine Rei­he von Ent­wick­lun­gen aus­ge­löst haben, die letzt­lich dazu führ­ten, dass Kunst und Kul­tur, Bil­dung und Phi­lo­so­phie die Grund­la­gen ent­zo­gen wur­den. Sei­ne Ein­schät­zung belegt er anhand zahl­rei­cher Bei­spie­le, sei es der Zusam­men­bruch des Kunst­mark­tes oder die Schlie­ßung der welt­li­chen Schu­len. Und immer spielt das Chris­ten­tum eine Haupt­rol­le, kämp­fen die „Kir­chen­vä­ter“ gegen Bil­dung und Ther­men, Thea­ter und Aka­de­mi­en.

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Christ­lich-abend­län­di­sche Kul­tur – Eine Legen­de

Über die anti­ken Wur­zeln, den ver­kann­ten ara­bi­schen Bei­trag und die Ver­klä­rung der Klos­ter­kul­tur,  2013

Oft wird sie in poli­ti­schen Debat­ten beschwo­ren, beson­ders gern, wenn es um Wer­te geht oder um Ein­wan­de­rung: die christ­lich-abend­län­di­sche Kul­tur. Und meist wird im glei­chen Atem­zug auf die bedeu­ten­de Leis­tung der Kir­chen ver­wie­sen, ohne die es in Euro­pa kei­ne Kul­tur gäbe. Aber was ver­birgt sich hin­ter die­sem Schlag­wort? Und wie groß ist der Anteil der christ­li­chen Klös­ter?

Rolf Berg­mei­er ent­larvt die Vor­stel­lung, das Chris­ten­tum habe die Grund­la­gen unse­rer Kul­tur gelegt, als kon­ser­va­ti­ve Pro­pa­gan­da. Den kul­tu­rel­len Zusam­men­bruch, der mit dem Auf­stieg die­ser Reli­gi­on ein­her­ging, belegt er anhand eines inter­es­san­ten Ver­gleichs: Wäh­rend im christ­li­chen Fran­ken­reich (das weit­ge­hend auf dem Gebiet der römi­schen Pro­vinz Gal­li­en ent­steht) die Städ­te schrump­fen, das Schul­sys­tem ver­schwin­det und die Wis­sen­schaft zum Erlie­gen kommt, erlebt die ibe­ri­sche Halb­in­sel eine 500-jäh­ri­ge Blü­te­zeit – nach­dem im frü­hen 8. Jahr­hun­dert die christ­li­che Herr­schaft dort endet.

Anschau­lich stellt Berg­mei­er den Unter­schied dar zwi­schen dem isla­mi­schen Kul­tur­raum und dem katho­li­schen West­eu­ro­pa. Er ver­gleicht die Schul­bil­dung, Phi­lo­so­phie und Buch­pro­duk­ti­on, Medi­zin und Mathe­ma­tik, Tech­nik und Städ­te­bau – und in sämt­li­chen Berei­chen haben die isla­mi­schen Ter­ri­to­ri­en die Nase vorn. Als wich­tigs­te Grün­de dafür macht Berg­mei­er die reli­giö­se Tole­ranz, das Inter­es­se an der Erfor­schung pro­fa­ner Din­ge sowie die Rezep­ti­on und Ver­ar­bei­tung des anti­ken Wis­sens aus. Ohne die ara­bi­sche Ver­mitt­lung hät­te es die Renais­sance mög­li­cher­wei­se nicht gege­ben. Durch das Chris­ten­tum hin­ge­gen wur­de nur wenig von dem, was heu­te zur euro­päi­schen Kul­tur gezählt wird, über­lie­fert.

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8 Responses to “Die Legende vom christlichen Abendland”

  1. […] Die Legen­de vom christ­li­chen Abend­land […]

  2. […] Die Legen­de vom christ­li­chen Abend­land […]

  3. klafuenf sagt:

    Ergän­zen: Nils Opitz-Leif­heit, Die letz­ten Tage der Eule, Roman

  4. […] Am Ran­de: Das mit dem christ­li­chen Abend­land ist eine Legen­de […]

  5. klafuenf sagt:

    Das Mär­chen vom christ­lich-jüdi­schen Abend­land

    Eine Stu­die von David Niren­berg zeigt: Das Chris­ten­tum war stets vom Kampf gegen die “Juda­i­sie­rung” des Abend­lan­des geprägt. Dür­fen wir unse­re Kul­tur über­haupt noch “christ­lich-jüdisch” nen­nen?

    http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article141546162/Das-Maerchen-vom-christlich-juedischen-Abendland.html

  6. klafuenf sagt:

    Am 28. Febru­ar 380 wur­de das jen­seits­ori­en­tier­te Chris­ten­tum Staats­re­li­gi­on. Die­se dies­seits­feind­li­che Ideo­lo­gie und die nach­fol­gen­de Ver­schwen­dung von Res­sour­cen für den Kle­rus tru­gen erheb­lich zur Zer­stö­rung der Anti­ke bei und brems­ten über 1.000 Jah­re lan­ge jeden For­schritt aus.

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