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Betet nicht für Paris!

ParisWas vor hun­der­ten von Jah­ren even­tu­ell einen evo­lu­ti­ven Vor­teil gebo­ten haben könn­te – die grup­pen­de­fi­nie­ren­de Funk­ti­on der Reli­gi­on – ist heu­te eines der größ­ten Pro­ble­me der Mensch­heit. Die Opfer der Reli­gi­on wer­den inner­halb Ihrer Grup­pe gehal­ten durch eine Mischung aus Heils­ver­spre­chen im Jen­seits, der irri­gen Annah­me, man kön­ne kein guter altru­is­ti­scher Mensch sein ohne Reli­gi­on, schlich­ten sozia­len Druck und der Furcht vor Aus­gren­zung. Gegen­über Außen­ste­hen­den hin­ge­gen muss man sich abgren­zen, da man sonst die weni­gen Vor­tei­le die eine sol­che Grup­pe bie­ten könn­te, ver­liert. Daher tei­len Reli­gio­nen Men­schen von jeher in „gehört zu unse­rer Grup­pe“ und „gehört nicht zu unse­rer Grup­pe“. Dies mag ein grund­le­gen­des mensch­li­ches Ver­hal­ten sein, wird aber in Kom­bi­na­ti­on mit dem tota­li­tä­ren Anspruch „die Wahr­heit“ zu ken­nen ver­häng­nis­voll. Jede der gän­gi­gen Reli­gio­nen tritt ohne Aus­nah­me mit dem Anspruch auf, die ein­zi­ge im Besitz „der Wahr­heit“ zu sein um sich von den ande­ren abzu­gren­zen. Die­ses Grup­pen­den­ken führt immer dazu, das Men­schen aus­ge­grenzt wer­den, die sich nicht den will­kür­lich-mit­tel­al­ter­li­chen Regeln der jewei­li­gen Gemein­schaft beu­gen kön­nen oder wol­len. Die Span­ne der Reak­tio­nen auf nicht­kon­for­mes Ver­hal­ten mit die­sen archai­schen Regeln reicht vom Aus­schluss aus der Gemein­schaft und der beruf­li­chen Dis­kri­mi­nie­rung Wie­der­ver­hei­ra­te­ter, Homo­se­xu­el­ler oder schlicht Anders­den­ken­der bis hin zu Ent­haup­tun­gen von beken­nen­den Athe­is­ten und eben Anschlä­gen, die hun­der­te von Men­schen­le­ben for­dern.

Eini­ge mögen sagen: Aber das ist doch nur „Miss­brauch­te Reli­gi­on“, die als Aus­re­de ver­wen­det wird um poli­ti­sche Zie­le oder Gewalt zu recht­fer­ti­gen. Hier muss man sich fra­gen: War­um akzep­tie­ren Men­schen das als Aus­re­de? Als legi­ti­men Grund? Weil es die per­fek­te Lüge ist! Reli­gi­on ist eine Lüge, die sogar behaup­tet, dass Bewei­se die gegen sie spre­chen, Bewei­se für sie und ein noch fes­te­rer Grund für den Glau­ben sind. Wir müs­sen auf­hö­ren, die­ses Mär­chen zu ver­brei­ten, in die Köp­fe unse­rer Kin­der zu pflan­zen. Nur so kön­nen wir die­se irra­tio­na­le Aus­re­de, mit der jeder alles legi­ti­mie­ren kann, los­wer­den, denn jeg­li­che Form des Glau­bens an die­se Lüge trägt in sich, ande­ren Glau­ben zu akzep­tie­ren, ja gar zu ver­tei­di­gen was ande­re im Namen des Glau­bens anrich­ten – selbst wenn es den eige­nen Grund­sät­zen wider­spricht.

In Zei­ten, in denen wir nicht mehr mit der Fackel eine Nach­bar­hüt­te anzün­den oder mit der Keu­le einen Anders­den­ken­den erschla­gen, son­dern uns durch auto­ma­ti­sche Geweh­re, Spreng­stoff, Marsch­flug­kör­per und Atom­waf­fen die Mög­lich­keit offen steht, auf grau­sams­te Wei­se Mit­men­schen in gro­ßer Zahl zu ver­stüm­meln und zu töten, müs­sen wir end­lich umden­ken. Unse­re Gesell­schaft muss auf­hö­ren, sich durch reli­gi­ös-tota­li­tä­res Grup­pen­den­ken bestim­men zu las­sen, Reli­gi­on – egal in wel­cher Geschmacks­rich­tung – darf kei­ne öffent­li­che Rol­le spie­len, muss sich aus Poli­tik und Gesell­schaft her­aus­hal­ten damit die­se töd­li­che Dis­kri­mi­nie­rung end­lich auf­hört. Daher: Betet nicht für Paris, son­dern tre­tet für eine auf­ge­klär­te, nicht­re­li­giö­se Gesell­schaft ein, in der end­lich alle Men­schen gleich und nicht „die Ande­ren“ sind.


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