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Bilanzsuizid

Ich denke schon seit über 20 Jahren darüber nach, wie ich irgendwann meinen endgültigen Abgang selbstbestimmt und theatralisch – also mit einem Lerneffekt für den Rest der Welt – erledigen kann.

Dank Udo Reiter* weiß ich nun, dass man das einen »Bilanzsuizid**« nennt.

Kiste ist Bullshit

Vor ein paar Jahren war ich mangels Vorinformationen versehentlich auf einer katholischen Trauerzeremonie. Die persönlichen Ansprachen des Pfarrers (mit dem Verstorbenen persönlich bekannt), des Sprechers meiner Studierendenverbindung und des Sportvereins, in dem der Verstorbene sehr aktiv war, waren sehr gute, sehr emotionale, sehr persönliche Worte. GUT SO!

Die folgende Musik im Sinne des Verstorbenen (Spätbarock/Frühklassik) war mir auch ein angenehmes, trauererleichterndes Geschehen.

Dann kam der erste Hammer, die strunzlangweilige, den Toten ignorierende Laberei über »das Gespenst«.

Und am Grab traf es mich wie ein grauenhafter Tee***. Übel, übel, übel. Leiche in Kiste, Kiste in Erde. Bullshit. Das ist kein Übergang in den Kreislauf des Lebens, das ist ein Konservierungsversuch und das Bemühen die Sterblichkeit zu ignorieren. Ein Fall für die Abteilung »Realitätsverweigerer«.

TBD & TBC


Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Reiter

** http://de.wikipedia.org/wiki/Bilanzsuizid · http://www.dghs.de/wissen/lexikon-a-z/glossary-detail/bilanzsuizid.html

*** Teufelskralle oder Ginseng schmecken so ekelhaft

One Response to “Bilanzsuizid”

  1. klafuenf sagt:

    Nach fast 50 Jahren im Rollstuhl haben meine körperlichen Kräfte in den letzten Monaten so rapide abgenommen, dass ich demnächst mit dem völligen Verlust meiner bisherigen Selbstständigkeit rechnen muss. Vor allem die Fähigkeit, aus eigener Kraft die Toilette zu benutzen und das Bett zu erreichen und wieder zu verlassen, schwindet zunehmend.

    Parallel dazu beobachte ich auch ein Nachlassen meiner geistigen Fähigkeiten, das wohl kürzer oder später in einer Demenz enden wird. Ich habe mehrfach erklärt, dass ein solcher Zustand nicht meinem Bild von mir selbst entspricht und dass ich nach einem trotz Rollstuhl selbstbestimmten Leben nicht als ein von anderen abhängiger Pflegefall enden möchte.

    Aus diesem Grund werde ich meinem Leben jetzt selbst ein Ende setzen. Ich habe vielen zu danken, die meinen Weg begleitet und meinem Leben Freude und Sinn gegeben haben.

    Udo Reiter

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