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Frauen, Fische, Fjorde

Deutsche Einwanderinnen in Island

Kopf­tuch­mäd­chen und Import­bräu­te

Frauen Fische FjordeIm April 1949 reist der islän­di­sche Bau­ern­funk­tio­när Jón Hel­gas­son mit einer heik­len Mis­si­on nach Lübeck: Er soll mit Hil­fe des neu­en Vize­kon­suls Land­ar­bei­te­rin­nen für die abge­le­ge­nen Höfe Islands fin­den. Islands länd­li­che Gebie­te lei­den unter aku­tem Frau­en­man­gel, im Nach­kriegs­deutsch­land kom­men auf einen Mann fünf Frau­en.

Im Lau­fe eines Jah­res wer­den rund 450 Men­schen nach Island aus­wan­dern, zum über­wie­gen­den Teil Frau­en. Sie bil­den die bis­lang größ­te Ein­wan­de­rer­grup­pe auf Island, das im Jahr 1949 nur 140 000 Ein­woh­ner zählt. Die Bau­ern­hö­fe lie­gen in der Nähe des Polar­krei­ses oder im abge­schie­de­nen Hoch­land, ver­fü­gen weder über Strom noch flie­ßen­des Was­ser. Islän­di­sche Bau­ern­fa­mi­li­en leben häu­fig in ein­fa­chen Häu­sern aus Torf, deren Dach und Fuß­bo­den­be­lä­ge aus Gras­so­den bestehen, meist in einem ein­zi­gen gro­ßen Raum. Nach einer Pha­se der Ein­ge­wöh­nung assi­mi­lie­ren sich die meis­ten der vom Krieg trau­ma­ti­sier­ten Frau­en erstaun­lich schnell. Sie haben einen Ort der Ruhe gefun­den und nach Jah­ren des Hun­gers end­lich wie­der genug zu essen.

Kaum eine der deut­schen Land­ar­bei­te­rin­nen kehrt nach Deutsch­land zurück, fast alle blei­ben in dem kal­ten, rau­en Land. Sie hei­ra­ten Islän­der und grün­den in der neu­en Hei­mat Fami­li­en. Die heu­te noch Leben­den erzäh­len fast alle zum ers­ten Mal ihre Lebens­ge­schich­te. Für eini­ge von ihnen ist es die letz­te Chan­ce, an ihre Geschich­te zu erin­nern. Das vor­lie­gen­de Buch por­trä­tiert sechs von ihnen.

Die Auto­rin traf die mitt­ler­wei­le hoch betag­ten Prot­ago­nis­tin­nen viel­fach noch in ihrem gewohn­ten Umfeld an. Sie schil­dert ihre Schick­sa­le im Spie­gel der Kriegs­wir­ren und des Nie­der­gangs des Drit­ten Rei­ches und zeich­net ein stim­mungs­vol­les Bild von Abschied und Ankunft, Ret­tung und Lie­be, Freud und Leid in der neu­en Hei­mat, dem Land der Vul­ka­ne. Letzt­lich sind es fast aus­nahms­los beglü­cken­de Geschich­ten muti­ger Frau­en in einem Land, das ihnen weit mehr Respekt und Rech­te bot als ihr Her­kunfts­land.

Mit einem Vor­wort von Kris­tín Steins­dot­tír

Anne Sie­gel ist 1964 in Nord­deutsch­land gebo­ren und auf einem Bau­ern­hof auf­ge­wach­sen. Nach dem Stu­di­um der Volks­wirt­schaft, Sozi­al­wis­sen­schaf­ten und Psy­cho­lo­gie leb­te und arbei­te­te sie in Eng­land, Isra­el und in den Nie­der­lan­den, war Dozen­tin, Wer­be­tex­te­rin, Ghost­wri­te­rin für Poli­ti­ker und Kaba­ret­tis­ten. Heu­te lebt sie in San Fran­cis­co und Köln und arbei­tet als Jour­na­lis­tin und Hör­spiel­au­to­rin für öffent­lich-recht­li­che Sen­der in Deutsch­land sowie als Dreh­buch­au­to­rin und Doku­men­tar­fil­me­rin für US-Pro­duk­tio­nen.


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Wei­te­re Links zum The­ma

Der Film »Eis­hei­mat«

Als die Wup­per­ta­ler Fil­me­ma­che­rin Hei­ke Zink 2008 in Island unter­wegs war, lern­te sie die 75-jäh­ri­ge Ursu­la Gud­munds­son ken­nen. Die gebür­ti­ge Deut­sche war als jun­ges Mäd­chen einer Anzei­ge vom Islän­di­schen Bau­ern­ver­band gefolgt: “Land­ar­bei­te­rin­nen aus Deutsch­land gesucht”. Hei­ke Fink war fas­zi­niert von der Geschich­te der alten Frau – und dreh­te ihren ers­ten Doku­men­tar­film “Eis­hei­mat” über die deut­schen Aus­wan­de­rin­nen.

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