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Am 2. Febru­ar 2016 gibt es die­sen Film im Salon des Ama­teurs, Grab­beplatz 4, 40213 Düs­sel­dorf um 20:00 Uhr zu sehen.

https://www.facebook.com/events/979416228805836/


 

Im Mai 1995 hat­te das Karls­ru­her Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine Vor­schrift der Baye­ri­schen Volks­schul­ord­nung für ver­fas­sungs­wid­rig und nich­tig erklärt, nach der in allen baye­ri­schen Volks­schul-Klas­sen­zim­mern ein Kru­zi­fix oder Kreuz anzu­brin­gen sei. In der dar­auf­hin erar­bei­te­ten Neu­fas­sung des Geset­zes über­nahm jedoch die baye­ri­sche Regie­rung die Vor­schrift aus dem alten Geset­zes­text, begrün­de­te dies mit geschicht­li­cher und kul­tu­rel­ler Prä­gung und erwei­ter­te das Gesetz ledig­li­ch um einen Zusatz, in dem für den “aty­pi­schen Ein­zel­fall” eine Kon­flikt­lö­sung ange­bo­ten wur­de. Die­ses kon­ser­va­ti­ve Fest­hal­ten der baye­ri­schen Poli­tik an dem reli­giö­sen Sym­bol soll­te 1996 im Düs­sel­dor­fer Kar­ne­val mit einem Motiv­wa­gen the­ma­ti­siert wer­den, der nach einem Ent­wurf des Illus­tra­tors und Bild­hau­ers Jac­ques Til­ly drei Nar­ren am Kreuz und eine Tafel mit der Auf­schrift “Kar­ne­val in Bay­ern” zei­gen soll­te.

Da zu die­sem Zeit­punkt die regio­na­le Pres­se noch vor­ab über die Kar­ne­vals­mo­ti­ve der Düs­sel­dor­fer berich­ten konn­te, hat­te sich auf­grund des “läs­ter­li­chen” Kar­ne­vals­mo­tivs eine Grup­pe empör­ter Chris­ten for­miert. Die wirk­ten mit einer Beschwer­de­kam­pa­gne auf die ört­li­che Pres­se und die Spon­so­ren des Kar­ne­vals­zu­ges der­art mas­siv ein, dass die Stim­mung in der Pres­se kipp­te und die Geld­ge­ber das inzwi­schen ange­fer­tig­te Motiv “ersatz­los” strei­chen lie­ßen. Doch dann kam alles anders.

Die Doku­men­tar­fil­me­rin Ricar­da Hinz hat den als “Düs­sel­dor­fer Kru­zi­fix-Skan­dal” bezeich­ne­ten Vor­fall in einer 42-minü­ti­gen Doku­men­ta­ti­on unter dem Titel “Kru­zi­fix – kurz vor der End­zeit” ver­ar­bei­tet. Der Film ist ein aus­ge­zeich­ne­tes Lehr­stück über reli­giös ver­letz­te Gefüh­le, Into­le­ran­zen und aggres­si­ve Nazi-Ver­glei­che, über ver­meint­li­che gesell­schaft­li­che Stim­mungs­la­gen, die sich hin­ter­her in Luft auf­lö­sen und über abge­dreh­te Repor­ta­gen, die unge­sen­det in öffent­li­ch-recht­li­chen “Gift­schrän­ken” ver­schwin­den. Letzt­end­li­ch jedoch ist der Doku­men­tar­film auch ein lehr­rei­ches Bei­spiel dafür, wie man sich mit trick­rei­chen Mög­lich­kei­ten den zor­ni­gen und ver­ängs­tig­ten Ver­bots­for­de­run­gen nicht so ganz beugt.

1996 wur­de der sehens­wer­te Film in einem Düs­sel­dor­fer Kino urauf­ge­führt.

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