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Product Life Cycle

Auf Staa­ten ange­wandt

Arti­kel­se­rie von Wolf­gang J. Kosch­nik

Eine Demo­kra­tie haben wir schon lan­ge nicht mehr

Die Demo­kra­tie, die Hei­li­ge Kuh der moder­nen Welt, befin­det sich in der Kri­se. Und es ist eine tief­grei­fen­de Kri­se. Im Namen der Demo­kra­tie wer­den alle Arten von Ver­bre­chen began­gen. Aus ihr wur­de wenig mehr als ein aus­ge­höhl­tes Wort, eine hüb­sche Scha­le, jeg­li­chen Inhalts oder Sinns ent­leert. Sie ist so, wie man sie haben will.

Die Demo­kra­tie ist die Hure der frei­en Welt, bereit, sich nach Wunsch an- und aus­zu­zie­hen, bereit, die ver­schie­dens­ten Geschmä­cker zufrie­den zu stel­len. Man nutzt und miss­braucht sie nach Belie­ben. Bis vor kur­zem, noch in die 1980er Jah­re hin­ein, schien es so, als könn­te die Demo­kra­tie tat­säch­lich ein gewis­ses Maß an ech­ter sozia­ler Gerech­tig­keit gewähr­leis­ten.

Aber moder­ne Demo­kra­ti­en exis­tie­ren lan­ge genug, und neo­li­be­ra­le Kapi­ta­lis­ten hat­ten genug Zeit, um zu ler­nen, wie man sie unter­gräbt. Sie ver­ste­hen sich meis­ter­lich in der Tech­nik, die Instru­men­te der Demo­kra­tie zu infil­trie­ren – die “unab­hän­gi­ge” Jus­tiz, die “freie”! Pres­se, das Par­la­ment – und sie zu ihren Zwe­cken umzu­for­men.

Arund­ha­ti Roy, indi­sche Schrift­stel­le­rin und Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­ke­rin


Die demo­kra­ti­schen Sys­te­me die­ser Welt ste­hen vor tief grei­fen­den Erschüt­te­run­gen. Wer das als nor­ma­ler Bür­ger mit­er­lebt, glaubt mit­un­ter noch, dass in sei­nem Lan­de gera­de eine beson­ders unfä­hi­ge Regie­rung am Werk ist, dass bei der nächs­ten Wahl alles anders wird und dass zur­zeit zwar eine Kri­se die nächs­te jagt, bald aber auch wie­der bes­se­re Zei­ten kom­men…

Doch wer das glaubt, täuscht sich. Die ent­wi­ckel­ten Demo­kra­ti­en in aller Welt – von den USA über Euro­pa bis Japan – ste­hen vor dem glei­chen Elend: Zwi­schen den Völ­kern und ihren Poli­ti­kern ist ein tie­fer Gra­ben der Ent­frem­dung auf­ge­ris­sen, die Pro­zes­se der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung sind völ­lig erstarrt, die Men­schen haben kein Ver­trau­en mehr in das poli­ti­sche Sys­tem, in den Par­la­men­ten und den poli­ti­schen Par­tei­en herr­schen Hier­ar­chi­en, es geht nicht mehr demo­kra­tisch zu, die Volks­ver­tre­tun­gen nicken Regie­rungs­ent­schei­dun­gen nur noch ab, wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen wer­den in Hin­ter­stu­ben getrof­fen, die poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen sind hand­lungs­un­fä­hig, die Poli­ti­ker tau­gen nichts, und der Staat ist bis über die Ohren ver­schul­det.

Die poli­ti­sche Kri­se ist die Fol­ge einer struk­tu­rel­len Reform­un­fä­hig­keit der Insti­tu­tio­nen und ihrer Poli­ti­ker, einer wach­sen­den Kluft zwi­schen den Bür­gern und Regie­run­gen, zwi­schen Wäh­lern und Volks­ver­tre­tern, zwi­schen Gesell­schaft und Staat. Als Regie­rungs­form sto­ßen die Demo­kra­ti­en an ihre Gren­zen, weil sie nicht mehr leis­ten, wozu sie da sind: die Inter­es­sen aller zu wah­ren und ihren Völ­kern ein gutes Leben zu ermög­li­chen. Sie die­nen nicht mehr dem Gemein­wohl, son­dern nur noch den Inter­es­sen ein­zel­ner Grup­pen.

  1. Die ent­wi­ckel­ten Demo­kra­ti­en der Welt ste­hen am Abgrund –  (19.12.2013)
  2. Die reprä­sen­ta­ti­ve Demo­kra­tie frisst ihre Kin­der – Das Volk ver­tre­ten die Volks­ver­tre­ter jeden­falls nicht (23.12.2013)
  3. Leben wie die Maden im Speck (26.12.2013)
  4. Par­la­men­ta­ri­er sind Ver­tre­ter der Par­tei­funk­tio­nä­re (28.12.2013)
  5. Eine Form der mil­den Funk­tio­närs­dik­ta­tur (1.1.2014)
  6. Berufs­po­li­ti­ker: Die Toten­grä­ber der Demo­kra­tie (6.1.2014)
  7. Der Staat als Selbst­be­die­nungs­la­den der Poli­tik (13.1.2014)
  8. Schein­de­mo­kra­tie vol­ler lee­rer Hül­sen (21.01.2014)
  9. Das gro­ße Wuseln: Hek­ti­sche Betrieb­sam­keit als Poli­ti­ker­satz (27.1.2014)
  10. Wenn Gre­mi­en ent­schei­den… (3.2.2014)
  11. Par­la­men­ta­ri­er im Wür­ge­griff des Frak­ti­ons­zwangs (10.2.2014)
  12. Par­la­men­te als Abnick­ver­ei­ne (17.2.2014)
  13. Das Kreuz mit dem Plu­ra­lis­mus (24.2.2014)
  14. Das Schat­ten­reich der Seil­schaf­ten in Wirt­schaft, Ver­bän­den und Poli­tik (3.3.2014)
  15. Die Inter­es­sen­ver­bän­de haben sich den Staat unter­wor­fen (10.3.2014)
  16. Der Preis der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie: Staats­schul­den ohne Ende (17.3.2014)
  17. Das Ure­lend der ent­wi­ckel­ten Demo­kra­ti­en: Die tota­le Staats­ver­schul­dung (24.03.2014)
  18. Der demo­kra­ti­sche Staat ist ein macht- und geld­gie­ri­ges Mons­trum (31.3.2014)
  19. Die Euro-Schul­den­kri­se und die Poli­tik hilf­lo­sen Geham­pels (7.4.2014)
  20. Im Sumpf der Sub­ven­tio­nen (14.4.2014)
  21. Das Deli­ri­um Sub­ven­ti­ono­rum – Gru­sel­ge­schich­ten aus dem Irren­haus (22.4.2014)
  22. Die dunk­len Schat­ten der tota­len Reform-Resis­tenz auf allen Ebe­nen (30.4.2014)
  23. Zu Tode erstarrt im Netz der ewi­gen Nein­sa­ger – Die Rol­le der Veto­grup­pen in Demo­kra­ti­en (5.5.2014)
  24. In Deutsch­land ster­ben die Leut’ aus…und die Volks­ver­tre­ter schla­fen vor sich hin (12.5.2014)
  25. Im Land der Brun­nen­ver­gif­ter – Wer Frem­den­hass schürt, kann Wah­len gewin­nen (19.5.2014)
  26. Der geschmier­te Plei­te­gei­er – Städ­te und Gemein­den ste­hen am Abgrund (26.5.2014)
  27. Die loka­len Klün­gel – Städ­te und Gemein­den in den Klau­en der Bau­wirt­schaft (2.6.2014)
  28. Im Zwi­schen­reich der Bun­des­län­der – Das Elend herrscht auf allen poli­ti­schen Ebe­nen (9.6.2014)
  29. Wozu über­haupt noch Demo­kra­tie? (16.6.2014)
  30. Das Mensch­heits­ide­al ›Demo­kra­tie‹ (23.6.2014)

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Über den Autor Wolf­gang J. Koschnick

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11 Responses to “Product Life Cycle”

  1. klafuenf sagt:

    Seit dem 31. März 2007 ist im StGB der § 238 die Nach­stel­lung (Stal­king) in die­sem unse­rem Lan­de (induL) nun end­lich eine Straf­tat. Wenn Gui­do Wes­ter­wel­le nicht selbst Stal­king-Opfer gewe­sen wäre, hät­ten wir in DE über­haupt kei­ne Anti-Stal­king-Gesetz­ge­bung erhal­ten.

    Ein Zei­chen dafür, dass die­ser Staat — wie auch im Fall des Fonds für die Rück­rei­se­ver­si­che­rung für Rei­sen­de bei Kon­kurs des Rei­se­san­bie­ters — schon lan­ge nicht mehr aktiv vor­an­schrei­tet, son­dern reak­tiv hin­ter­her­he­chelt.

    http://lachsdressur.de/an-jedem-einzelnen-tag/

    Wenn man das Modell des Pro­duct Life Cycle auf unser Land anwen­det, so ist das ein ers­tes Zei­chen, dass wir den Zenith schon über­schrit­ten haben.

    http://lachsdressur.de/product-life-cycle/

  2. klafuenf sagt:

    Kurz vor einem Knöll­chen der EU hat sich unser Bun­ter Tag aus Bonn zusam­men­fin­den las­sen um mit 443 gegen 111 Stim­men eine EU-Richt­li­nie umzu­set­zen. Dabei hat man wie­der ein­mal den Ver­fas­sungs­auf­trag der Trenn­nung von Krie­che und Staat igno­riert und die kle­ri­ka­len Son­der­lo­cken aus­ge­nom­men.

    http://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ThemenUndForschung/Religion_Weltanschauung/Religion_Weltanschauung_node.html

    https://plone.rewi.hu-berlin.de/de/lf/ls/bae/wissen/antidiskriminierungsrecht/allgemeines-gleichbehandlungsgesetz

  3. klafuenf sagt:

    Die Poli­tik – wo wie auch ande­re gro­ße Grup­pen und Unter­neh­men – sind an der Selbst­ver­fil­zung und -ver­fet­tung hand­lungs­un­fä­hig gewor­den.

  4. klafuenf sagt:

    Tau­ben sind wie Poli­ti­ker. Wenn sie unten sind bet­teln sie und wenn sie oben sind schei­ßen sie auf uns.

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