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Amerikas Diner-KulturAmerikas Diner-Kultur

Die Dokumentation zeigt eine gemütliche Parallel-Welt in einem hektischen Land, in dem selbst das Essen schnell gehen muss.

http://programm.ard.de/?sendung=2800714893385558&first=1

10. Juli 2015 · 02:45 Uhr

Danach folgt die Sendung »Slow Food« — schau’n wer mal.


Nein, sagt Michael Stern (60), Fastfood sei für ihn kein Feind: »Wir finden Fastfood lediglich völlig uninteressant.« ›Wir‹, das sind Jane und Michael Stern. Ehemalige Yale-Studenten sind sie, hochgebildete Intellektuelle mit einem absolut unakademischen Beruf – Profi-Esser, Spezialisten für das, was sie ›Roadfood‹ nennen. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine amerikanische Gastronomieszene, die hinter bescheidenen Fassaden brilliert: Die Sterns testen ausschließlich Familien-Restaurants am Straßenrand, die ›Diners‹.

Seit mehr als 30 Jahren fahren sie durch die USA, wachen Auges, mit gespitzter Nase, immer auf der Suche nach einem neuen Lokal und stets hungrig. Ein selbstgemachter Burger, ein hausgemachter Blaubeerkuchen, ein natürliches Chili lässt sie strahlen. Derart traditionelle Hausmannskost suchen und preisen sie, in den legendären ›Roadfood‹-Büchern. Über 40 Bücher haben sie bereits geschrieben, gedruckte Erlebnisberichte, Wegweiser zu guter, preiswerter, bodenständiger Nahrung für den ewig hungrigen Autofahrer zwischen Ost- und Westküste.

Mittlerweile haben sie auch das Internet für sich entdeckt und mit ihnen eine treue Fangemeinde, die ›Roadfoodies‹. Sie folgen den Tipps ihrer Idole und fahren meilenweit für den besten Burger weit und breit. Zum Beispiel zu ›Louis Lunch‹ nach New Haven (Connecticut). Dort testet Ken Lassen das Fleisch roh, bevor es zu Hamburger oder Cheeseburger wird. Bei ›Louis‹ ist Ketchup streng verboten – und der Burger hat maximal acht Prozent Fett. »20 Prozent unserer Gäste werden von Ärzten zu uns geschickt«, behauptet der 90-Jährige. War er schon mal bei McDonalds?! »No.«

›Es muss nicht immer Fastfood sein‹ erzählt die Geschichte der wohl ungewöhnlichsten Restaurant-Kritiker der USA. Die Sterns genießen Kultstatus, ihre Arbeit hat ihnen viel Geld eingebracht und sie haben ein wenig mitgeholfen, dass die Fastfood-Ketten die traditionellen Nachbarschafts-Restaurants nicht völlig verdrängt haben. Ihre ›Helden‹ (und die des Films) sind keine Sterne-Köche. Sondern Marc, der in ›Beckylquote’s Diner‹ in Portland, Maine ab 4.00 diese tollen Omelettes macht. Und auch keine Ess-Snobs, sondern Phil, der morgens immer um 5.00 bei ›Dotlquote’s‹ in Wilmington seinen Kaffee nimmt. Obwohl da ja eigentlich noch geschlossen ist – aber die Tür ist nur angelehnt, was in dem Ort jeder weiß.

›Es muss nicht immer Fastfood sein‹ zeigt eine gemütliche Parallel-Welt in einem hektischen Land, in dem selbst das Essen schnell gehen muss.

Leider ist der Film nicht online zu finden.

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